Der Bau der reformierten Kirche

Die reformierte Kirche

Die Inschrift im Chor der Kirche bezeugt, dass diese von Grund auf neu erstellt wurde. Welche Gründe zu diesem Neubau führten sind nicht belegt. Die Annahme dürfte aber richtig sein, dass der alte Bau die Kirchgänger nicht mehr zu fassen vermochte.

Die Wunden, die die schrecklichen Zeiten der «Bündner Wirren» (der Dreissigjährige Krieg [1618 – 1648]) geschlagen hatten, waren weitgehend geheilt. Es waren 25 Jahre des Friedens, der Ordnung und des Wiederaufbaus ins Land gezogen. Selbst verödete Dörfer erwachten zu neuem Leben, ja vielfach machte sich ein gewisser Wohlstand bemerkbar. Beweis hierfür sind in Andeer mehrere stattliche Häuser aus jener Zeit, die angesehenen Bürgerfamilien gehörten. Verbunden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung war ein kaum erlahmender religiöser Eifer. Der Kirchgang war fleissig und wer lesen konnte, vertiefte sich gerne in religiöse Bücher, die erstmals auch in romanischer Sprache gedruckt wurden.

Bei dieser tiefen religiösen Einstellung war ein Kirchenbau etwas Selbstverständliches. Das ganze Volk wünschte zu Ehren und Gefallen Gottes ein solches Werk. Was immer möglich war wurde in gemeinsamer Arbeit, im Gemeinwerk auegeführt.

Zur Zeit des Kirchenbaus war Stephanus de Nicca Ortspfarrer. Er war Bürger von Andeer und wird sich besonders überzeugend für den Neubau der Kirche eingesetzt haben. Er mag dabei besonders auch vom damaligen Dorfmeister, Johannes Pitschen, unterstützt worden sein. Die Inschrift im Chor, die sich auf den Bau bezieht, lautet: ««Anno 1672/73/74 hat ein ehrsame Nachpurschaft Andeer Gott zu Ehren bezeugen Ihren Gottseligen Eifer an dem Gottes Dienst diese Kirchen von Grunt Auf neuw erbauet. Zurzeit Pfarrherr Stephanus de Nicca»

Das neue Gotteshaus, stattlich und geräumig geplant, sollte für Jahrhunderte der Gemeinde genügen. Seine Merkmale sind: Helligkeit, Einfachheit und beschauliche Stille.

Inneres: Die nach Osten gerichtete Kirche besteht aus einem vierjochigen Langhaus, überwölbt von einer auf unprofilierten Vorlagen ruhenden Tonne mit Stichkappen, und dem eingezogenen, polygonalen Chor, dessen Schrägseiten nur halb so breit sind als die Abschlusswand Er ist mit einer dem Grundriss angepassten Tonne überwölbt, in die Stichkappen einschneiden. Der Chorbogen schliesst in gedrücktem Spitzbogen und hat auf beiden Seiten breite Fasen mit kegelförmigem Anlauf. Je zwei spitzbogige Fenster in jeder Langseite des Schiffes und je eines in jeder Langseite des Chores. Dazu Lünetten und Oculi. Eingänge in der West- und Südseite. Der Bau ist von angenehmen Proportionen, jedoch derb und ungelenk in der Ausführung. Ausstattung: Der Taufstein aus Tuff, stellt eine, über einem runden Fuss sich erhebende Schale dar, die durch Rippen in acht mit leeren Schildern und Sternen gezierte Felder gegliedert ist. [ca. 1580]

Die Kanzel besteht aus einem polygonalen Korpus mit spitzem Fuss und ist an den Ecken mit Pilastern besetzt. [1]

Drei Inschriften in der Kirche sind ungenau. Andeer ist nachweislich 10 Male Synodalort gewesen, und zwar in den Jahren 1687, 1711, 1738, 1786, 1806, 1833, 1864, 1894, 1921 und 1971. An einem Tragbalken der Empore sind die Synodaljahre eingeschnitzt, aber nicht alle sind richtig. [2]

In Bezug auf die Tätigkeit von Pfarrer Ludwig Molitor steht im Chor vermerkt: «1737 3. März ist der wohlehrwürdige Herr Ludovicus Molitor seliglich in Gott entschlafen. Nachdem er 80 Jahre gelebet und 44 dieser ehrsamen Kirchhörung in dem Predigtamt rühmlich vorgestanden.» Übersetzt heisst dies: Pfarrer Molitor amtete 41 Jahre in dieser Gemeinde und lebte dann roch drei Jahre im Ruhestand.

Eine Dankinschrift ist den beiden Pfarrern Conrad und den beiden Lutta gewidmet. Gemäss dieser Bekanntgabe hätte Pfarrer Matli Conrad, der jüngere, in Andeer von 1767 bis 1828 ununterbrochen gewirkt. Dem ist aber nicht so. Von 1800 bis 1804 war Bartholomeus Caprez von Trins Pfarrer in unserem Dorfe.

Im Boden der Kirche beim Taufstein Waren zwei Grabplatten. Diejenige zur Erinnerung an Pfarrer Matli Conrad, der ältere 1734 – 1767, wurde aussen gegen die Kirchenmauer aufgestellt. Die zweite am früheren Ort belassen, bezeichnet die Grabstätte von Landammann Antonius von Schorsch (1749 – 1822). An weitere Mitglieder dieser einst einflussreichen Familie erinnert eine Votivtafel aus schwarzem und weissem Marmor an der Wand neben der Kanzel. Sie besagt, dass Jakob de Schorsch im Kindesalter verstarb und ein zweiter Sohn Antonius ebenfalls schon mit 18 Jahren das Zeitliche segnete. Letzterer war in Zürich, wollte sich nach Heidelberg begeben, um sein Studium fortzusetzen. Er zog aber vor, nach Leipzig zu reisen, wo er 1806 kurz nach seiner Ankunft starb.

  1. Entnommen aus «Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden» von Erwin Poeschel, Band V. S 184 ff.
  2. Die Jahre 1687 und 1864 fehlen. Die angegebenen Jahre 1780 und 1804 waren hingegen nicht Synodaljahre in Andeer.