«Igl Furn» oder die Schmelze in «Rùncs»

Gegen den Berghang vom beschriebenen Mühlebach etwa 200 Meter entfernt nimmt ein stattlicher Landsitz eine beherrschende Stellung ein. Eigentümerin dieser ansehnlichen Baute ist die Familie Rosales.

Andeer, Haus Graf Rosales Igl Furn, ca 1916 mit Anbau Pferdestall, rechts.

Erbaut wurde dieses Gebäude in den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts von der italienischen Bergwerksgesellschaft «Del Negri & Co». Erhalten ist heute noch der Blashochofen zur Eisengewinnung. Das Erz wurde auf «Starlera» und «Sutfuina» gewonnen.

Schmelzofen für Eisen im Haus Rosales Igl Furn.

Für den Betrieb des Gebläses war die Energiebeschaffung mittels Wasserrades erforderlich. Aus topographischen Gründen konnte der bestehende Mühlebach «Rùncs» nicht genutzt werden. Man kam nicht umhin, einen zweiten gepflasterten Kanal zu bauen, der das Wasser oberhalb der heutigen Hängebrücke vom Rhein bezog. Dieser musste aber wacker gestaut werden, was durch das Absprengen von Steinblöcken von einer nahen Felswand erreicht wurde. Erst diese Massnahme bewirkte, dass genügend Wasser den Kanal hinunterfloss. Bis zur Aufarbeitung von Kies und Sand in «Rùncs» durch die Kraftwerke im Jahre 1958 war der ehemalige Kanal hoch recht gut erhalten.

Im vorliegenden Abschnitt wurde versucht die ansehnliche Laufenergie des Mühlebaches nachzuweisen und wie ganz verschieden geartete Anlagen an unseren Gewässern aufgezogen werden konnten. Mögen manche dieser Werke nur kurze Zeit gedauert haben, ist es doch erstaunlich, wie gar manches Wasserrad sich in «Rùncs» munter drehte. Zwei Sägereien, eine mechanische Werkstatt, vier Mühlen, eine Stampfe, drei Walken, Gebläse für die Schmelzöfen und das Getriebe einer Teigwarenfabrik waren auf die Nutzung der Wasserkraft eingestellt. Der Mühlebach «Rùncs» schleuste eine weit grössere Wassermenge als heute. Seine Ufer und der Boden waren streckenweise mit Brettern ausgekleidet.

Sämtliche Wasserräder, die der Bach drehte, waren unterschlächtige und die meisten davon genauer gesagt mittelschlächtige, d.h. die Eintrittsstelle des Wassers war in der Radmitte, so dass ausser seiner Stoss- auch die Gewichtswirkung ausgenutzt wurde.

Problemlos waren aber die mittels Wasserkraft in unseren Gegenden betriebenen Wasserwerke keineswegs. Bachbetten und Kanäle wurden bei Hochwasser oft beschädigt und mit Kies und Sand aufgefüllt. Im Winter brachte die Vereisung Störungen und Unterbrechungen des normalen Arbeitsablaufes, die wochenlang dauern konnten. Die Gemeinden waren zwar am möglichst ungestörten und gesicherten Betrieb von Mühlen und Sägewerken interessiert, weshalb die erwähnten Schäden meist im Gemeinwerk behoben wurden.

Im Jahre 1773 erschien vor einer ehrsamen Nachbarschaft Landweibel Johann Conrad und Meister Mathias Salis und brachten vor, dass der Mühle- und Sägekanal zuoberst im Dorfe aufgefüllt und beschädigt. worden sei. Sie würden Holz aus dem Bannwald und Hilfe bei der Räumung benötigen.

Diesem Gesuch wurde entsprochen. Die Eigentümer sollen jedoch als Gegenleistung den Bürgern und Beisässen das Klafter Holz zu einem günstigeren Ansatz sagen.